Swiss Jeans Freak
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PEOPLE OF CULT AND GLORY
RUEDI KARRER
The Swiss Jeans Freak
Es gibt Sammler. Es gibt Experten. Und dann gibt es Menschen, bei denen die Leidenschaft für eine Sache irgendwann zu einem Teil ihres Lebens wird.
Ruedi Karrer ist so ein Mensch.
Ich habe Ruedi über die Denim-Welt kennengelernt. Und wenn ich an ihn denke, denke ich nicht zuerst an die unglaubliche Menge an Jeans, die er über Jahrzehnte zusammengetragen hat.
Ich denke an einen Menschen, der immer freundlich war, immer hilfsbereit und immer interessiert, sobald es um Denim ging.
Er gehört für mich deshalb ganz selbstverständlich zu den People of Cult and Glory.
Alles begann 1973
Ruedis Geschichte mit Denim beginnt nicht in einem exklusiven Jeansladen und auch nicht mit einer seltenen japanischen Selvedge Jeans.
Sie beginnt mit einer Kleiderspende.
Ruedi Karrer wurde 1959 in Graubünden geboren und wuchs in den Schweizer Bergen auf. 1973 erhielt seine Familie ein Paket mit gespendeter Kleidung. Darin befanden sich zwei Levi’s Jeans.
Für den damals 14-Jährigen waren diese Hosen etwas völlig anderes als gewöhnliche Kleidung.
Sie standen für Amerika, Rock ’n’ Roll und Rebellion.
Von diesem Moment an ließ ihn Denim nicht mehr los.
Mehr als 14.000 Stück Denim
Aus dieser jugendlichen Faszination entwickelte sich eine der außergewöhnlichsten Denim-Sammlungen der Welt.
Heute umfasst Ruedis Sammlung mehr als 14.000 Jeans, Jacken und andere Denim-Stücke. In Zürich betreibt er sein privates Jeansmuseum of Heaviest Fadings, das bewusst nicht einer einzelnen Marke gewidmet ist.
Das ist entscheidend.
Ruedi sammelt nicht einfach Levi’s.
Nicht Lee.
Nicht Wrangler.
Nicht japanische Marken.
Er sammelt Denim.
Und vor allem sammelt er, was mit Denim passiert, wenn Menschen ihn tatsächlich tragen.
Fading ist gelebte Geschichte
Besonders faszinieren Ruedi die natürlichen Gebrauchsspuren von Raw Denim.
Falten.
Abrieb.
Ausbleichungen.
Reparaturen.
Beschädigungen.
Jede Bewegung eines Menschen verändert mit der Zeit den Stoff.
Genau deshalb kann eine über Jahre getragene Jeans etwas erzählen, was eine künstlich auf „used“ getrimmte Jeans niemals erzählen kann: die Geschichte ihres Besitzers.
Ruedi beschreibt diese natürliche Entwicklung des Denims als einen zentralen Bestandteil seiner Faszination. Seine Sammlung dokumentiert deshalb nicht nur unterschiedliche Hersteller und Epochen, sondern auch Tausende individuelle Alterungsprozesse.
Swiss Jeans Freak
In der internationalen Denim-Szene kennt man ihn längst unter einem anderen Namen:
Swiss Jeans Freak.
Sein Wissen und seine Begeisterung haben ihn international bekannt gemacht. Denim-Medien wie Heddels und Denimhunters haben ihn ausführlich porträtiert; seine Sammlung gilt als eine der bedeutendsten privaten Denim-Sammlungen überhaupt.
Doch genau hier liegt für mich das Interessante an Ruedi.
Wer ihm begegnet, begegnet keinem Menschen, der sein Wissen benutzt, um andere zu beeindrucken.
Ganz im Gegenteil.
Ich habe ihn als hilfsbereit, freundlich, offen und unglaublich neugierig erlebt.
Wenn es um Denim geht, interessiert ihn nahezu alles.
Und sein Wissen teilt er.
Das ist vielleicht viel wertvoller als die Sammlung selbst.
Eine eigene Jeans zum 60. Geburtstag
Wie tief Ruedis Verbindung zu Denim inzwischen reicht, zeigt eine besondere Geschichte.
Zu seinem 60. Geburtstag entstand gemeinsam mit der italienischen Denim-Weberei Candiani eine eigene Jeans.
Ruedi konnte den Denim selbst auswählen; Candiani entwickelte einen eigens nach ihm benannten Stoff beziehungsweise Farbton. Daraus entstand eine auf 60 Stück limitierte Kollektion, gefertigt in Italien. Die Erlöse gingen an Ruedis Jeansmuseum.
Vom Jungen, der 1973 zwei gebrauchte Levi’s in einem Kleiderspenden-Paket entdeckt, zu einer eigenen Jeans aus einer der renommierten italienischen Denim-Webereien.
Fast ein halbes Jahrhundert liegt zwischen diesen beiden Geschichten.
Die Leidenschaft ist dieselbe geblieben.
Nicht wegwerfen. Weitertragen.
Und hier berührt sich Ruedis Welt unmittelbar mit unserer Vorstellung von Cult and Glory.
Ruedi möchte Menschen dazu bringen, Raw Denim lange zu tragen und ihre eigenen Fadings entstehen zu lassen, statt industriell vorgealterte Fast Fashion zu kaufen. Er spricht sich dafür aus, Denim möglichst lange zu verwenden und nicht einfach wegzuwerfen.
Das ist Nachhaltigkeit ohne großes Etikett.
Ein gutes Produkt kaufen.
Es benutzen.
Es pflegen.
Es reparieren.
Und ihm die Zeit geben, seinen eigenen Charakter zu entwickeln.
Durability over sustainability.
Vom Denim zum Swiss Archive Canvas
Genau an diesem Punkt treffen sich unsere Welten.
Bei Cult and Glory arbeiten wir mit Materialien, die bereits eine Geschichte besitzen.
Unser historischer Swiss Army Canvas ist teilweise viele Jahrzehnte alt. Gebrauchsspuren, unterschiedliche Farbtöne und kleine Unregelmäßigkeiten betrachten wir nicht als Fehler.
Sie sind das Material.
Ruedis Denim-Sammlung folgt im Grunde demselben Gedanken.
Ein Stoff wird durch Zeit nicht zwangsläufig schlechter.
Er wird persönlicher.
Eine neue Raw Denim Jeans beginnt ihre Geschichte mit dem Menschen, der sie trägt.
Unser Archive Canvas bringt seine Geschichte bereits mit.
Beides lebt weiter.
Jeans und ihre Träger
Wie relevant Ruedis Arbeit inzwischen auch kulturhistorisch geworden ist, zeigte 2025 eine Ausstellung im Levi Strauss Museum in Buttenheim.
Unter dem Titel „Jeans und ihre Träger – Lebensspuren auf Denim“ wurden ausgewählte Stücke seiner Sammlung präsentiert. Im Mittelpunkt standen gerade jene individuellen Fadings und Gebrauchsspuren, die Ruedi seit Jahrzehnten faszinieren.
Damit wird aus einer persönlichen Sammelleidenschaft etwas Größeres.
Ein Archiv menschlicher Spuren.
People of Cult and Glory
Deshalb gehört Ruedi Karrer für mich hierher.
Nicht weil er eine riesige Sammlung besitzt.
Nicht wegen seiner Bekanntheit innerhalb der Denim-Szene.
Und nicht wegen seiner Reichweite.
Sondern wegen seiner Haltung.
Ich habe ihn als jemanden kennengelernt, der sein Wissen teilt, neugierig geblieben ist und Menschen mit derselben Begeisterung begegnet, die ihn seit 1973 begleitet.
People of Cult and Glory soll genau von solchen Menschen erzählen.
Von Menschen mit Leidenschaft.
Von Menschen mit Wissen.
Von Menschen, die Dinge nicht interessant finden, weil sie gerade neu sind.
Sondern weil sie eine Geschichte erzählen.