Matthias van Reimersdahl
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Von Denim, Stahl und der Kunst der guten Dinge
Manche Menschen begegnen einem über die Jahre immer wieder – nicht unbedingt am gleichen Ort und nicht unbedingt mit den gleichen Produkten. Was bleibt, ist ihre Haltung.
Matthias van Reimersdahl gehört für mich zu diesen Menschen.
Kennengelernt habe ich Matthias zu einer Zeit, als Denim noch weit mehr war als eine modische Kategorie. Er war im Vertrieb unterwegs, zunächst in der Welt von Levi’s und später bei Edwin. Wir bewegten uns in einer Branche, in der es noch sehr stark um das Produkt ging: um Stoffe, Waschungen, Schnitte, Herkunft und die Menschen hinter den Marken.
Dass Matthias irgendwann von Denim zu Messern wechselte, wirkt auf den ersten Blick wie ein großer Sprung.
Wenn man ihn kennt, ist es eigentlich nur konsequent.
Vom Denim zum Stahl
Sein beruflicher Hintergrund liegt in Marketing und Vertrieb. Öffentlich dokumentiert sind unter anderem Stationen bei adidas, Lee Jeans und Edwin. Später gründete Matthias eine eigene Handelsagentur für Schneidwaren.
Damit änderte sich das Produkt – seine Faszination für Dinge mit Substanz jedoch nicht.
Ein gutes Paar Jeans und ein gutes Messer haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt. Beides sind Gegenstände, die durch Benutzung nicht zwangsläufig schlechter werden. Sie entwickeln Charakter. Sie altern. Sie tragen Spuren. Und wenn sie gut gemacht sind, können sie ihren Besitzer viele Jahre begleiten.
Genau diese Art von Produkten hat Matthias offenbar immer interessiert.
Holz. Stahl. Stein.
Über Matthias wird berichtet, dass er sich schon früh zu Arbeiten aus Holz, Stahl und Stein hingezogen fühlte. Der gebürtige Schweriner machte diese Begeisterung schließlich zu seinem Beruf und beschäftigte sich intensiv mit handgefertigten Messern aus Deutschland, Japan und Frankreich.
Dabei geht es ihm nicht einfach darum, Messer zu verkaufen.
Es geht um das Wissen dahinter.
Warum schneidet ein Messer so, wie es schneidet? Was unterscheidet japanische Klingen von traditionellen Solinger Messern? Welche Rolle spielen Stahl, Geometrie und Schliff? Was bedeutet der berühmte Solinger Dünnschliff? Und vor allem: Wie erhält man ein gutes Werkzeug über viele Jahre?
Matthias begann, genau dieses Wissen weiterzugeben.
Die Windmühlenmesser und Solingen
Besonders eng ist sein Name heute mit den Windmühlenmessern der Robert Herder Manufaktur in Solingen verbunden.
Bei Veranstaltungen und Seminaren erklärt Matthias den Teilnehmern nicht nur, wie ein Messer geschärft und poliert wird. Er vermittelt auch die Geschichte und Philosophie hinter der traditionellen Messerfertigung.
Bereits 2017 trat er bei einem Themenabend von Formost als Experte auf. Dort sprach er über die Geschichte der Schneidwarenherstellung, Materialkunde, den Aufbau eines Messers, Pflege und Schärfe sowie die Unterschiede zwischen japanischen und Solinger Messern. Die Veranstalter beschrieben ihn dabei nicht nur als Fachmann, sondern ausdrücklich als jemanden, der sein Wissen mit Charme und Begeisterung vermitteln kann.
Und genau das ist entscheidend.
Handwerk braucht Menschen, die seine Geschichte erzählen können.
Ein gutes Messer muss benutzt werden
Matthias ist heute weiterhin als Vermittler dieses Wissens aktiv. In Schleifseminaren zeigt er, wie Klingen fachgerecht geschärft und poliert werden. Auch Manufactum führt 2026 zahlreiche Seminare mit ihm durch und bezeichnet ihn dabei als Fachmann der Windmühlenmesser-Manufactur Herder.
Das Konzept ist angenehm analog: Die Teilnehmer bringen ihre eigenen Küchenmesser mit und arbeiten selbst daran.
Kein theoretischer Vortrag über Nachhaltigkeit.
Man nimmt einen Gegenstand, den man bereits besitzt, versteht ihn besser, pflegt ihn und verlängert sein Leben.
Für mich steckt darin eine sehr zeitgemäße Form von Nachhaltigkeit: Nicht ständig ersetzen – sondern verstehen, pflegen und weiterbenutzen.
Menschen hinter den Produkten
Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich unsere Wege immer wieder mit ähnlichen Themen beschäftigen.
Denim, Schuhe, Taschen oder Messer sind zunächst nur Gegenstände.
Interessant werden sie durch Herkunft, Material, Handwerk und die Menschen, die sich damit beschäftigen.
Bei Matthias führte der Weg vom Denim schließlich zum Messer. Vom Stoff zum Stahl. Vom Vertrieb eines Produktes immer stärker hin zur Vermittlung des Wissens über ein Produkt.
Und möglicherweise ist dieser Weg gar nicht so ungewöhnlich.
Wer einmal gelernt hat, einen guten japanischen Denim von gewöhnlichem Stoff zu unterscheiden, beginnt irgendwann auch bei anderen Dingen genauer hinzusehen.
Wie wurde es gemacht?
Woher kommt das Material?
Wer hat es hergestellt?
Kann ich es reparieren?
Und werde ich es in zehn oder zwanzig Jahren noch benutzen?
Das sind Fragen, die uns heute wichtiger erscheinen denn je.
Gute Dinge brauchen keine Trends
Ich habe Matthias van Reimersdahl in der Denimwelt kennengelernt.
Heute steht er mit derselben Überzeugung für ein völlig anderes Produkt – und doch für dieselbe Idee.
Für Dinge, die gut gemacht sind.
Für Handwerk.
Für Material.
Für Wissen.
Und vor allem für Produkte, deren Wert nicht dadurch entsteht, dass sie gerade neu sind.
Sondern dadurch, dass wir sie lange benutzen.
Von Denim zu Stahl.
Vom Produkt zum Handwerk.
Und von der Mode zu Dingen, die bleiben.